Der 2026er Azoren-Törn sollte meine Crew und mich in 14 Tagen
auf 8 der 9 Azoren-Inseln führen.
Eine minutiöse Planung stellte sicher, dass wir folgende Inseln
bzw. die Häfen anlaufen würden:

Ich persönlich war nach dem Segeltörn noch auf der Insel Santa Maria - ✅
Was hat uns gehindert, den Plan auszuführen?
Das Wetter und eine verloren gegangene Boots-Schraube mitten
auf dem Atlantik!
Beides hat uns ca. 4 Tage gekostet und die optimierte
Streckenplanung war nicht mehr möglich, was noch weitere 2 Tage
Zusatzzeit bedeutet hätte.
Aber wir hatten dennoch viel Spaß, überwiegend gute Winde und ansonsten mit Diogo von Sail-Along einen Top-Vercharterer, der uns im Hintergrund konstant begleitet hat.
Planung ist für die Azoren essentiell! Flexibiltät ist aber
Grundvoraussetzung und ein guter Vercharter.
Die Azoren sind als Segelrevier körperlich und für das
Material äußerst anspruchsvoll, da Wellen und Wetter nur
sehr grob planbar sind und die Distanzen zwischen 6 und 24 h
Segeln bedeuten, auch bei rauhem Wetter. Einige Häfen sind bei
bestimmten Windrichtungen nicht anlaufbar oder müssen verlassen
werden und der Platz im Hafen ist sehr begrenzt.
"TOLUI" - Callsign: CRA7841
Die Bavaria 46 Cruiser aus 2018 hatte 4 Kabinen, 3 Waschräume +
1 Dusche. Rollgroß und Roll-Genua. Verstärkter Volvo/Penta
Diesel (75 PS).
215 L Dieseltank, 2 Wassertanks. Verbrauch ca. 4 L Diesel bei
1.700 U/Min. (5,5 - 6,0 Knoten SOG) reichen somit für über 48h
reine Fahrt unter Motor, so dass alle Inseln auch bei
schlechtem Wind erreichbar sind oder umgeplant werden
kann.
Alternative wäre die Yacht "JOSCHI" gewesen mit gleicher
Ausstattung aber klassischem Großsegel.
Das Dingi mit Außenboarder gehört ebenso mit zur Ausstattung
wie ein vernünftiger Werkzeugkasten, Ersatzteile (Impeller,
Schellen, Schrauben, Lampen, Sicherungen, ...) und eine
Boardabpotheke gem. IMO-Standard für
Offshore-Yachten.
10 Fender (incl. 2 großen Kugelfendern) und lange
Festmacherleinen für die gröberen Hafenmauern sind dabei.
Beide Boote sind mit Sorgleinen ausgestattet, so dass man
gesichert aufs Vorschiff gehen kann.
Technisch war alles ok, außer einer Kleinigkeit (s.u.). Funk,
AIS (Sender), EPIRB, 10 Personen-Rettungsinsel, 220V-Inverter
funktionierten einwandfrei.
Auch im Innenbereich ist das Boot mit allem ausgestattet, was
man zum Leben und Kochen benötigt und wenn etwas gefehlt hat,
dann wurde es vom Vercharterer noch vorbeigebracht.
Und ganz besonders angenehm: flauschige Handtücher und
Bettzeug.
Es war also alles an Board und letztlich brauchten wir nur die
eigenen Segelsachen mitzunehmen.
Man merkt daran, dass Diogo selbst auch segelt und das Boot
selbst auch skippert, wenn Gäste das wünschen oder er mit
Freunden unterwegs ist.
Genau wie das nebenan liegende befreundete andere Charter-Duo
von Sail-Azores, so ist auch Diogo Eigner dieser Boote und
sorgt für einen guten Zustand gemessen an den rauhen
Bedingungen der Azoren. Materialverschleiß kann aber auch hier
immer vorkommen und gehört einfach zu den normalen Risiken
eines Atlantik-Törns.

Wie schon angedeutet, war meine Planung bereits am 2. Tag
hinfällig.
Wir wollten von Ponta Delgada (Insel Sao Miguel) nach Pico in
den Hafen von Lajes do Pico. Da der Wind mit hohen Wellen aber
von NW mit 6-7 Bft direkt auf dem Hafen stand und kein sicherer
Platz mehr verfügbar war (die Häfen sind bzgl. Liegeplätzen
extrem beschränkt), mussten wir nach Sao Jorge - der
Nachbarinsel - ausweichen, was uns bis zum Ende eine sehr
ruppige Überfahrt mit Böen bis 43 kn Wind bescherte. In Sao
Jorge war Platz und der Hafen Velas liegt etwas geschützter bei
NW-Wind. Dort mussten wir jedoch 2 Tage abwettern, bis wir dann
rüber fuhren nach Horta, dem bekanntesten Hafen der Azoren auf
Faial.
Am Vormittag wollten wir noch schnell das Wasser auffüllen,
wobei ein Crewmitglied dabei leider den Diesel-Tank mit Wasser
auffüllte und es erst merkte, als es so komisch aus der Öffnung
roch.
Da wir den Motor nicht gestartet hatten, alles halb so wild.
Aber dennoch musste der komplette Tank geleert und am
Motor-Ansaugstutzen abgelassen werden.
4 h Arbeit für einen lokalen Techniker, der mit 200 EUR für
Deutsche Verhältnisse extrem preiswert war und das
Diesel-/Wasser-Gemisch mit Kanistern entsorgte und alle Filter
reinigte. Schade um die ca. 160 Liter Diesel, die wir auspumpen
mussten. Aber so etwas kann passieren. Und solange man es
sofort bemerkt, bevor der Motor gestartet wurde, ist es auch
kein Problem, es rückstandsfrei zu behben.
So also der Start unserer Tour mit einem Eindrucksvollen und
längerem Besuch der Insel Sao Jorge, gutem Essen mit
fangfrischem Fisch und vor allem leckerem Sao Jorge-Käse, den
ich nur empfehlen kann.
In Horta (Insel Fajal) war das Café Peter Sport natürlich Pflichtprogramm, daneben aber auch das Restaurant Athletico, das bei Einheimischen bekannt ist für spitzenmäßiges Steakfleisch und köstliches Knoblauchbrot. Die Insel hat ebenfalls zahlreiche sehenswerte Aussichtsstellen und Strände sowie das durch den Vulkanausbruch von 1958 erst neu entstandenen Stück Land (Capelinhos).
Von Faial aus ging es dann voll getankt nach Flores, der
westlichsten Insel Europas und der Azoren. Die beiden Häfen von
Flores (Velas und der Stadthafen Santa Cruz) sind eigentlich
für Sportboote gesperrt. Über Funk kamen mehrfach die Hinweise,
dass das Anlaufen der Häfen nicht möglich sei.
Wir haben jedoch eine Ausnahmegenehmigung erhalten und waren
für dieses Jahr wahrscheinlich das letzte und einzige Boot,
dass diese Häfen anlaufen durfte. Danke hierfür auch an die
Hafencrew von Ponta Delgada, die uns dies ermöglicht hat.
Durch die Verzögerungen im Vorfeld haben wir das Zeitfenster
für Flores und die Nachbarinsel Corvo leider stark einkürzen
müssen, da die Ausbagger-Arbeiten im Hafen von Flores am Montag
früh begannen und wir den Hafen somit auch tatsächlich
verlassen mussten. Unsere Ausnahmegenehmigung galt nur für das
Wochenende.
Also zurück auf den Weg nach Pico und dann weiter nach Graciosa
oder Terceira, wo wir aber niemals angekommen sind.
Mitten auf dem Atlantik am 27.04. um 21:30 Uhr fragte mich
meine Partnerin in der Nachtwache, ob es nicht seltsam sei,
dass wir bei 1.600 U/Min. Motordrehzahl und 4, 5 Knoten SOG
laufen. Die Frage war berechtigt und es war mir noch gar nicht
aufgefallen. (Schlechte Leistung von mir als Skipper!!).
Wir untersuchten das Sail-Drive-Getriebe: Alles OK. Motor: OK.
Also: ein Problem mit der Schraube!
Wie sich herausstellen sollte, hatte die Schraube auch kein
Problem (mehr). Es gab nämlich keine Schiffsschraube mehr! Die
war abgefallen! Wir hatten keinen Antrieb mehr unter Motor.
Aber der Wind für Horta / Faial stand recht gut und somit
entschieden wir, in den Hafen zurück zu fahren, der bzgl.
Technik, Kran und Ersatzteilen am besten ausgestattet
ist.
Über mein GARMIN-Inreach-Satelliten-System habe ich Diogo und
seinen Kollegen informiert und er hat bis zu unserem Einlaufen
in Horta die Ersatzteile, den Kran-Termin und das Einschleppen
in den Hafen koordiniert. Alles lief reibungslos für uns und
wir kamen ohne Probleme gegen 18:30 Uhr in Horta an. Im
Hintergrund hatte Diogo alle Hände voll zu tun, alles zu
koordinieren, da die Ersatzteile von der Fluggesellschaft nicht
transportiert wurden und er Ersatz auf Faial besorgen musste,
ohne vor Ort sein zu können.
Ein riesiges Dankeschön hierfür an Diogo, die Hafencrew von
Horta und natürlich die Techniker aus Horta.
Somit ein erneuter Aufenthalt in Horta und Zeit für einen
ruhigen Stadtbummel und neue Impressionen, Besuch des Mesums
der Stadt und des kleinen Walfisch-Mesums von Peter. Ich selbst
habe am Folgetag die Reparaturen am Schiff begleitet und am
Abend ging es dann mit neuer Schraube weiter nach Pico, wo der
Wind inzwischen deutlich abgenommen hatte und wir somit
problemlos und sicher im Hafen lagen.
Alle erkannten, dass 1 Tag für Pico aufgrund der Vielfalt der
Insel einfach zu knapp ist oder ein Grund einfach einmal wieder
zu kommen.
Von Pico aus führte uns der Weg dann leider schon wieder zurück
nach Ponta Delgada mit bestem Halbwindkurs ging es segelnd und
mit Motorunterstützung dann zurück mit viel Wehmut und dem
Wunsch, die Azoren möglichst bald wieder zu sehen.
Ich selbst war noch eine Woche länger geblieben und habe einige
Tage auf Santa Maria verbracht, um dann entspannt zurück nach
Düsseldorf zu fliegen.